14.1 Verknüpfungssemantik

In den obigen Kapiteln, insbesondere in Kapitel 4, wurde mehrfach auf die Situation hingewiesen, dass durch ODER verknüpfte Ereignisse oder Funktionen oftmals nicht gänzlich unabhängig voneinander sind, sondern eine innere Struktur aufweisen. Z.B. so, dass eines der Ereignisse nicht mit den anderen vorkommen kann oder dass einige der Ereignisse nur zusammen auftreten können.

Hier nun ein weiteres Beispiel. Die folgende Abbildung zeigt den Beginn eines größeren Geschäftsprozesses. Es geht um Kundenanfragen nach Produkten, die in Einzelfertigung hergestellt werden. Da die Kalkulation und die Erstellung der CAD-Zeichnungen sehr aufwändig ist, erfolgt zuerst eine Prüfung, ob nicht früher schon mal etwas geliefert wurde, sodass auf die da erstellten Kalkulationsunterlagen und CAD-Zeich­nun­gen zurückgegriffen werden könnte.

Diese Prüfung wird in der Ereignisgesteuerten Prozesskette als Funktion modelliert (Klärung, ob ähnliche Anlage schon geliefert), die zu vier Ergebnissen (modelliert als Ereignisse) führen kann:

  • Gleiche Anlage schon mal geliefert
  • Ähnliche Anlage schon mal geliefert
  • Komponente schon mal geliefert
  • Nichts Ähnliches wurde geliefert

Dabei können auch mehrere Ereignisse gleichzeitig eintreffen (z.B. die ersten drei), weshalb für die Verknüpfung der ODER-Operator verwendet wurde. Nach den Ereignissen sind dann die entsprechenden Funktionen angeordnet, lediglich dem Ereignis Nichts Ähnliches wurde geliefert folgt keine. Danach werden die verschiedenen Kontrollflusszweige wieder zusammengeführt zu der Funktion Anlage konzipieren, kalkulieren, Skizze erstellen.

Diese Modellierung ist in einem Punkt unpräzise. Das Ereignis Nichts Ähnliches wurde geliefert kann nicht zusammen mit den anderen auftreten. Es hat auch andere Wirkungen, da es gleich zur endgültigen Erstellung führt und nicht zu Funktionen, mit deren Hilfe Teilergebnisse gewonnen werden.


Abbildung 14.1-1:

Unscharfe Modellierung mit ODER

14.2 Genauigkeit erhöhen

Die Ereignisse (Ergebnisse) im obigen Beispiel sind also nicht unabhängig voneinander. Trotzdem findet man eine solche Semantik sehr oft mit einem ODER modelliert. Möchte man genauer modellieren geht dies ganz einfach so, dass man zuerst mithilfe eines XODER-Operators die beiden Alternativen Nichts Ähnliches wurde geliefert/etwas Ähnliches wurde geliefert modelliert und dann die restlichen möglichen Ergebnisse mithilfe eines ODER-Operators. Die beiden folgenden Abbildungen zeigen die Lösung für den oben angesprochenen Fall.

Die Funktion Klärung, ob ähnliche Anlage schon geliefert wird nun dazu benutzt, die Alternative zu modellieren. Damit ist zum einen das mögliche Ergebnis Nichts Ähnliches wurde geliefert aus der nachfolgenden Funktion herausgenommen, zum anderen kann diese dann eindeutig formuliert werden: Klärung, was genau geliefert wurde. Die hier möglichen Ergebnisereignisse sind nun völlig unabhängig voneinander.


Zuerst die Alternative mit
XODER, dann beliebige Kombinationen mit ODER.

Abbildung 14.2-1:

Genauer modellieren mit XODER - Teil 1

Sie führen zu den im Ausgangsbeispiel schon eingeführten Funktionen: Zuschläge berücksichtigen, Veränderungen berücksichtigen und Unterlagen ergänzen, die auch in beliebiger Kombination gemeinsam auftreten können. Nach dem Zusammenführen der drei Zweige mit einem ODER-Operator sind dann die Kalkulationsunterlagen ergänzt.

Gegenüber dem Ausgangsbeispiel wurde hier nun die eigentliche Fertigstellung getrennt. Sie erfolgt entweder auf der Basis von Teilinformationen oder gänzlich neu.

Danach wird der Kontrollfluss mit einem XODER wieder zusammengeführt.


Abbildung 14.2-2:

Genauer modellieren mit XODER - Teil 2