9.1 Wiederholung von Geschäftsprozessabschnitten

Wie im „wirklichen Leben“ spielen Rückschleifen in formalen Beschreibungen von Geschäftsprozessen eine wichtige Rolle. Konkret bedeutet dies, dass - abhängig von einem bestimmten Ereignis - ein bestimmter Abschnitt eines Geschäftsprozesses wiederholt wird. Die folgende erweiterte Ereignisgesteuerte Prozesskette zeigt, wie dieser Vorgang modelliert wird.

Die Rückschleife beginnt immer aus einem Ereignis heraus, dem Ereignis, das den Bedarf an der Wiederholung eines Abschnittes aufzeigt. Im Beispiel der folgenden Abbildung ist dies die Tatsache, dass Unterlagen nicht vollständig sind. Die Rückschleife wird dann grafisch durch eine Pfeillinie dargestellt, die mithilfe eines XODER-Operators vor einer Funktion wieder in den Kontrollfluss zurückgeführt wird. Diese Funktion muss natürlich die sein, ab der die Wiederholung des Geschäftsprozesses beginnt. Es ist wichtig, dass dieser Wiedereinstieg vor einer Funktion erfolgt, da nur damit die syntaktische Grundregel Ereignis und Funktion lösen sich ab eingehalten wird.

Beginn der Rückschleife

Der XODER-Operator hat in einer solchen Konstellation eine etwas andere Bedeutung als sonst, wo er zwei sich ausschließende Alternativen beschreibt. Hier wird im ersten Durchgang auf jeden Fall der Kontrollfluss „von oben her“ durchlaufen. Der „seitliche Einstieg“ kommt nur im Falle des Rücksprungs zum Tragen.


Rücksprung 1 ohne Kontrolle

Abbildung 9.1-1:

Wiederholung eines Geschäftsprozessabschnitts

In diesem Beispiel, wie auch bei allen einschlägigen Beispielen wird darauf verzichtet, die Zahl der Rücksprünge zu kontrollieren. Implizit wird davon ausgegangen, dass sich die am Geschäftsprozess Beteiligten so verhalten, dass der Abschnitt nicht zu oft wiederholt wird. Rein formal könnte man sich hier auch eine Endlosschleife vorstellen. Allerdings ist ein Geschäftsprozess kein Programm, sondern eine von Menschen getragene Abfolge von Tätigkeiten.

Endlos?

Auf diesen Punkt musste schon öfters verwiesen werden, z.B. bei rekursiven Aufrufen und bei Schleifen. Die Erstellungsregeln für Ereignisgesteuerte Prozessketten werden durch das pragmatische Handeln der Menschen in den Geschäftsprozessen geprägt. Es ist nun mal so, dass Menschen (zumindest im Rahmen von Geschäftsprozessen) nicht in Endlosschleifen, in rekursive Strukturen und Ähnliches verfallen (wie z.B. ein Programm, im Falle rekursiver Aufrufe sogar korrekterweise), weshalb solche Strukturmerkmale hier nicht per Syntax abgesichert werden müssen.

Pragmatische Aspekte von EPKs

9.2 Rücksprung mit Kontrolle

Natürlich ist es aber auch möglich anzugeben, wie oft maximal die Wiederholung akzeptiert wird. Denkbar wäre z.B. die in der nächsten Abbildung gezeigte Lösung. Hier wird nach dem Ereignis Unterlagen sind nicht vollständig eine Funktion eingebaut, mit der geprüft wird, wie oft die Unterlagen schon zurückgegeben wurden. Geschah dies erst einmal, wird nochmals zurückgegeben. Erfolgte dies bereits zweimal, werden die Unterlagen (z.B. Planungsunterlagen) von der Abteilungsleitung selbst fertig gestellt.

Schleifengrenze


Rücksprung 2 mit Kontrolle

Abbildung 9.2-1:

Mehrmalige Wiederholung eines Geschäftsprozessabschnitts mit Kontrolle

Werden die Unterlagen insgesamt höchstens einmal zurückgegeben, findet man oftmals auch die Lösung der folgenden Abbildung.

Hier wird der Fachabteilung einmal die Gelegenheit der Überarbeitung gegeben. Klappt es dann immer noch nicht, führt die Abteilungsleitung selbst die notwendigen Korrekturen durch. In diesem Fall kann auf die Rückschleife verzichtet werden.

Dieses Beispiel verdeutlicht auch nochmals das Zusammenführen eines getrennten Kontrollflusses mithilfe eines XODER-Operators (vor dem Schlussereignis). Voraussetzung dafür ist natürlich, dass es sich wirklich um Alternativen handelt, dass also bei einem Durchgang wirklich nur eine der Alternativen eintreten kann.

Zusammenführen mit XODER


Rücksprung 3:
Wiederholung ohne Rückschleife

Abbildung 9.2-2:

Einmalige Wiederholung eines Geschäftsprozessabschnitts