Auszug aus dem Modulhandbuch der Akkreditierung im Master-Studiengang Wirtschaftsinformatik.

2.1 Fakten

  • Studiengang: Master-Studiengang Wirtschaftsinformatik
  • Modulbezeichnung: Unternehmensmodellierung / Enterprise Modelling
  • Semester: 1
  • Modulverantwortliche(r): Prof. Dr. Josef L. Staud
  • Dozent(in): Prof. Dr. Josef L. Staud
  • Sprache: Deutsch
  • Zuordnung zum Curriculum: Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik
  • Lehrform / SWS: Vorlesung / 4 SWS
  • Arbeitsaufwand: Präsenz 60 h, Eigenarbeit 90 h
  • Kreditpunkte: 3

2.2 Voraussetzungen

Die Lehrveranstaltung baut auf dem auf, was bzgl. der Thematik Unternehmensmodellierung üblicherweise in einem Erststudium WI gelehrt und gelernt wird:

  • Geschäftsprozesskonzept
  • Geschäftsprozessmodellierung mit Ereignisgesteuerten Prozessketten
  • Relationale Datenmodellierung
  • Entity Relationship – Modellierung
  • Objektorientierung (als Konzept, nicht nur als Spezifikum einer Programmiersprache)
  • ARIS-Konzept und ARIS-Toolset (oder eine vergleichbare Software)

Bei Studierenden aus anderen Studiengängen werden die Defizite festgestellt und Maßnahmen für deren Beseitigung empfohlen.

2.3 Beitrag zu den Gesamtzielen

Die Lehrveranstaltung vermittelt die theoretischen Grundlagen der modernen Unternehmensmodellierung und übt diese am praktischen Beispiel. Da heutzutage eine „IT“ nicht konzipiert, geplant und realisiert werden kann ohne kompetente Modellbildung, vermittelt diese Veranstaltung das Grundgerüst für diesen Teil der von den Studierenden zu erwerbenden Kompetenz.

2.4 Lernziele

Im Gegensatz zu den einschlägigen Bachelor-Kursen und gewissermaßen in Ergänzung zu diesen ist hier die Ausrichtung der Lehrveranstaltung wie folgt:

  • Betrachtet wird bzgl. der „klassischen“ Unternehmensmodellierung das Unternehmen als Ganzes, d.h. der Zusammenhang der verschiedenen Modellkomponenten, nicht nur innerhalb eines Typs (z.B. Prozessmodelle), sondern zwischen diesen (z.B. Zusammenhang der Daten- und Prozessmodellierung). Hier entsteht sehr schnell eine hohe Komplexität, die in einem Erststudium meist nicht bewältigbar ist.
  • Intensive Auseinandersetzung mit der objektorientierten (Geschäfts-) Prozessmodellierung. Dies kann, so die langjährige Erfahrung, in einem Erststudium nur angerissen werden.
  • Betrachtung der objektorientierten Unternehmensmodellierung. Hier steht im Gegensatz zum vorigen Punkt wiederum der Gesamtzusammenhang des Unternehmens im Vordergrund. Diese Methoden sind auch deswegen von großer Bedeutung, da sie sich in den Unternehmensberatungen gerade durchzusetzen beginnen.
  • Betrachtung praktischer Beispiele der Unternehmensmodellierung. Zum einen die der SAP, zum anderen die von anderen ERP-Anbietern (z.B. bzgl. Navision) und von Unternehmensberatungen (die teilweise „proprietäre“ eigene methodische Ansätze entwickelt haben).
  • Intensive Auseinandersetzung mit Fragen des Prozessmanagements als zentralem Teil der Unternehmensmodellierung.

Um dies alles realisieren zu können, müssen im ersten Teil der Veranstaltung noch einige Methoden vermittelt werden.

Der Blickwinkel, unter dem alle diese Themen betrachtet werden, ist der des Studienganges: Vorbereitung auf die Übernahme von Verantwortung in Informatik-Großprojekten sowie auf Führungspositionen im Management (mit Informatik-Hintergrund).

2.5 Inhalt

Integrierte Unternehmensmodellierung

1 Datenmodellierung

1.1 SERM - Strukturierte Entity-Relationship-Modelle

1.1.1 Von ERM zu SERM

1.1.2 Existenzabhängigkeit

1.2 SAP – SERM. Der SAP-Ansatz für die Datenmodellierung

1.2.1 Das Grundkonzept

1.2.2 SAP-SERM

1.2.3 Konkrete Beispiele aus SAP R/3 mit Erläuterungen

2 Objektorientierte Geschäftsprozessmodellierung

2.1 Anspruch der UML

2.2 Dynamische Aspekte - Aufruf von Methoden

2.3 Verhaltensmodellierung

2.3.1 Basiskonzepte

2.3.2 Konzepte für die Modellierung dynamischer Aspekte

2.4  „Wirklichkeit“ der UML - Einschätzung

3 Objektorientierte Unternehmensmodellierung

3.1 Gesamtmodelle

3.2 Zusätzliche Modellkomponenten

3.3 Meta-Ebenen

4 Das SAP-Konzept für die Unternehmensmodellierung

4.1 Das Konzept und die Elemente

4.2 Ereignisgesteuerte Prozessketten

4.2.1 Basis-EPKs

4.2.2 Szenarien

4.2.3 Wertschöpfungsketten

4.3 Informationsstrukturen

4.3.1 Grundkonzept

4.3.2 SAP-SERM

4.3.3 Konkrete Beispiele mit Erläuterungen

4.4 Business Objekte

5 Andere Ansätze zur integrierten Unternehmensmodellierung

6 Prozessmanagement (in Anlehnung an [Becker, Kugeler und Rosemann 2003])

6.1 Vorbereitung der Prozessmodellierung

6.2 Strategie und Ordnungsrahmen

6.3 Istmodellierung und Istanalyse

6.4 Sollmodellierung und Prozessoptimierung

6.5 Gestaltung einer prozessorientierte(er)en Aufbauorganisation

6.6 Einführung der Prozesse – Prozess-Roll-out

6.7 Kontinuierliches Prozessmanagement

6.8 Prozessorientierte Einführung von ERP-Systemen

6.9 Workflowmanagement

6.10 Prozessorientierte Gestaltung von (Aufbau-)Organisation und Berechtigungskonzept am Beispiel von SAP R/3

6.12 Simulation von Geschäftsprozessen

6.13 Supply Chain Management und Customer Relationship Management- Prozessmodellierung für Extended Enterprises

6.14 Fallstudien

2.6 Leistungen

  • Prüfungsvorleistung Praktische Arbeit. Erarbeitet wird ein integriertes Unternehmensmodell.
  • Klausur (90 Minuten)

2.7 Literatur

UML 2003
Object Management Group (OMG): OMG Unified Modeling Language Specification. March 2003, Version 1.5

Becker, Kugeler und Rosemann 2002 (Hrsg.)
Becker, Jörg; Kugeler, Martin; Rosemann, Michael (Hrsg.): Prozessmanagement. Ein Leitfaden zur prozessorientierten Organisationsgestaltung (Dritte Auflage), Berlin u.a. 2002

Bungert und Heß 1995
Bungert, Winfried; Heß, Helge: Objektorientierte Geschäftsprozessmodellierung. In: Information Management 1/95, S. 52 – 63

Krcmar 2003
Krcmar, Helmut: Informationsmanagement (3. Auflage), Berlin u.a. 2003

Langner, Schneider und Wehler 1997b
Langner, P.; Schneider, C.; Wehler, J.: Prozessmodellierung mit Ereignisgesteuerten Prozessketten (EPKs) und Petri-Netzen. In: Wirtschaftsinformatik, 39(5), S. 479-489, Oktober 1997

Loos und Allweyer 1998
Loos, Peter; Allweyer, Thomas: Process Orientation and Object Orientation – an Approach for Integrating UML and Event-Driven Process Chains (EPC), Publication of the Institut für Wirtschaftsinformatik (Technical Report 144), University of Saarland, Saarbrücken, March 1998

Mertens 2001
Mertens, Peter: Integrierte Informationsverarbeitung 1. Operative Systeme in der Industrie (13. Auflage), Wiesbaden 2001 (Gabler).

Nüttgens, Feld und Zimmermann 1998
Nüttgens, M.; Feld, T.; Zimmermann, V. : Business Process modeling with EPC and UML: Transformation or Integration?, in [Schader und Korthaus 1998, S. 250-261]

Rosemann 1996
Rosemann, Michael: Komplexitätsmanagement in Prozessmodellen: Methodenspezifische Gestaltungsempfehlungen für die Informationsmodellierung. Wiesbaden 1996 (Gabler)

Rosemann und Schulte 1996
Rosemann, Michael; Schulte, Rainer: Effiziente Prozeßgestaltung im Rechnungswesen. In: [Vossen und Becker 1996, S. 193 – 207]

Schader und Korthaus 1998
Schader, M.; Korthaus, A. (Hrsg.): The Unified Modeling Language – Technical Aspects and Applications. Heidelberg 1998

Scheckenbach 1997
Scheckenbach, Rainer: Semantische Geschäftsprozessintegration, Wiesbaden 1997 (Gabler)

Scheer 1997
Scheer, A.-W.: Wirtschaftsinformatik. Referenzmodelle für industrielle Geschäftsprozesse (7. Auflage), Berlin u.a. 1997

Scheer, Nüttgens und Zimmermann 1997
Scheer, A.-W., Nüttgens, M.; Zimmermann, V.: Objektorientierte Ereignisgesteuerte Prozesskette (oEPK) – Methode und Anwendung, Veröffentlichungen des Instituts für Wirtschaftsinformatik (Iwi), Universität des Saarlands, Heft 141, Mai 1997

Schütte 1996
Schütte, Reinhard: Prozeßorientierung in Handelsunternehmen. In: [Vossen und Becker 1996, S. 257 – 275]

Seidlmeier 2002
Seidlmeier, Heinrich: Prozessmodellierung mit ARIS. Eine beispielorientierte Einführung für Studium und Praxis. Braunschweig/Wiesbaden 2002

Staud 2001
Staud, Josef: Geschäftsprozessanalyse. Ereignisgesteuerte Prozessketten und objektorientierte Geschäftsprozessmodellierung für Betriebswirtschaftliche Standardsoftware, Berlin u.a. 2001

Vossen und Becker 1996
Vossen, Gottfried; Becker, Jörg: Geschäftsprozeßmodellierung und Workflow-Management. Modelle, Methoden, Werkzeuge. Bonn u.a. 1996 (Thomson)